Am linken Rand des Reliefs zeigt der Künstler schon die Frauen, die sich am Ostermorgen auf den Weg zum Grab Jesu machen. Der Engel wird zu den Frauen sagen: „Ihr sollt euch nicht fürchten! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Denn er ist auferstanden, so wie er es gesagt hat. Kommt her und seht die Stelle, wo er gelegen hat! Und jetzt geht schnell los und sagt zu seinen Jüngern, dass er von den Toten auferstanden ist! Er geht euch voran nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Seht, ich habe es euch gesagt.“
Unserem Künstler scheint das Geschick der Soldaten besonders wichtig. Die Hälfte des Bildes wird dadurch eingenommen. Und in der Tat, wann passiert es schon einmal, dass Sol-daten vor Schreck umfallen? Der Soldat mit der Hellebarde sucht noch sein Heil in der Flucht. Der zweite Soldat versucht, sich mit seinem Schild zu schützen, sein Schwert hat er bereits zu Boden fallen lassen. Der dritte hat nicht mal mehr ein Schild um sich zu verteidigen, und der vierte bekommt sein Schwert nicht schnell genug aus der Scheide. Und da-bei sollen sie doch Angst und Schrecken verbreiten.
Angst und Schrecken verbreiten Soldaten auch heute. Die Alten unter uns können davon noch erzählen, was sie als Kinder erlebt haben im letzten Weltkrieg. Oder wir können Menschen aus anderen Ländern zuhören, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind. Sie haben ihr Leben manchmal nur mit knapper Mühe gerettet und träumen nachts immer noch davon, wie Männer mit Gewehren oder Stöcken an ihre Tür trommeln. Und im Fernsehen sind wir nahezu live dabei.
Den Soldaten rutschen die Waffen aus den Händen. Das wäre ein richtig guter Tag für die verstörten Gesichter hinter den Wohnungstüren dieser Erde. Die Soldaten haben nichts mehr, mit dem sie drohen und prügeln können, erpressen und verhöhnen. Keine Schwerter, keine Pistolen, keine Schlagstöcke, keine Anrufe in der Nacht. Das wäre ein richtig guter Tag. Ein Ostertag. So war es ja.
Ostern fallen die Wachen am Grab einfach um. Der schwere Stein vor dem Eingang ist weggerollt. Das Grab ist leer, der Gekreuzigte frei. Ein richtig guter Tag, an dem selbst der Tod seine Macht verliert. Ostern entwaffnet alle, die anderen Angst und Schrecken einjagen. „Gott setzt den Kriegen ein Ende, zerbricht den Bogen, zerschlägt den Speer“ heißt es schon früh in der Bibel (Psalm 46,10). Ostern steht Jesus auf und entwaffnet alle, die anderen Angst und Schrecken einjagen. Großmäulern verschlägt es die Sprache. Die Wehrlosen lassen sich nicht mehr einschüchtern. Verspottete lachen zurück. Scheue machen plötzlich den Mund auf und protestieren.
Das vermag Ostern. Auch wenn die Mächte des Todes nach wie vor Leid und Unheil über die Schöpfung bringen. Mit Ostern ist klar: Gott will das Leben. Denn Jesus ist auferstanden von den Toten. Jesus ist auferstanden gegen den Tod. Das Leben siegt über die Mächte des Todes. Das macht den Kleinen und Machtlosen Mut. Das macht uns Hoffnung und gibt uns Kraft.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein lebendig machendes Osterfest.
Liebe Mitglieder, seit dem letzten Osterfest sind wieder einige Menschen Mitglied unseres Fördervereins geworden. Dafür sind wir sehr dankbar. Denn wir brauchen wahrlich Unterstützung bei den großen Aufgaben, die vor uns liegen.
Die Sanierung des Südturms hat im vergangenen Herbst begonnen und läuft besser als gedacht. Nach der durch die niedrigen Temperaturen erzwungenen Winterpause gehen die Arbeiten nun zügig voran. Durch verschiedene günstige Faktoren ist es sogar möglich geworden, den Umfang des ersten Bauabschnitts zu erweitern. Neben der Westfront des Turms kann nun auch die südliche Turmseite in Angriff genommen werden. Ein herzliches Dankeschön an alle Spender und Spenderinnen, die das durch ihre Hilfe möglich machen.
Über unser Programm für 2026 informiert Sie der beiliegende Flyer. Die beliebte Gewölbeführung eröffnet im Mai unseren Veranstaltungsreigen. Im selben Monat stellt Detlef Witt sein Buch über den Stralsunder Bildhauer Elias Kessler vor (der Vortrag musste im letzten Jahr verschoben werden). Im Juni spricht der Greifswalder Ethiker Prof. Dr. H. Assel über „Christlich-ethische Orientierung in palliativ-medizinischen Fragen“ im Spannungsfeld von Patientenautonomie und ärztlicher Verantwortung, u. a. über den assistierten Suizid. Die Stralsunder Internistin Dr. I. Beland wird die ärztliche Sicht einbringen. Im Juli berichtet die Stralsunder Tierpräparatorin Lena Müller über die Restaurierung des Hais in unserer Kirche … Sie haben richtig gelesen, wir haben einen echten Hai. Und einen Monat später wird der Architekt Burkhardt Eriksson ein erstes Resümee der Turmsanierung ziehen.
Und dann das große Finale: Das Symposium zum 750. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung der Nikolaikirche am 11. und 12. September. 750 Jahre lassen sich an einem Tag nicht beleuchten. Deshalb haben wir uns auf das 20. Jahrhundert konzentriert, denn dessen historische Bearbeitung steht erst am Anfang, so dass es sicher zahlreiche interessante Einblicke geben wird. Die Mitgliederversammlung findet statt am Sonntag, vor dem Festgottesdienst und dem Gemeindefest.
Im Namen des Vorstands mit den besten Wünschen für eine
gesegnete österliche Zeit
Ihr